Balaton statt Postkarte: Eine Woche in Tihany
Manche Urlaube laufen genau so ab, wie man sie sich vorgenommen hat. Dieser nicht. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, nehme ich aus unserer Woche auf der Halbinsel Tihany am Plattensee mehr mit, als ich erwartet hätte.
Ein Spoiler vorweg: Svenja wurde schon am ersten Urlaubstag krank, später kam sogar noch ein nächtlicher Krankenhausbesuch im nahen Veszprém dazu. Mit zwei Kindern in einem Bungalow ist das kein Spaziergang. Die Radtour, auf die ich mich gefreut hatte, fiel aus. Und der berühmte Tihany-Lavendel, die Seife, das Parfüm, all das, wofür die Halbinsel eigentlich bekannt ist, haben wir kaum zu Gesicht bekommen. Für Sightseeing war zwischen Kinderbetreuung und Pflege für Svenja schlicht kein Platz. Und doch war es ein guter Urlaub. Ich erkläre euch warum.

Das Resort
Wir waren im Club Tihany am Nordufer, mit Halbpension. Vorher hatte ich, ehrlich gesagt, ein bisschen Bammel, dass die Anlage nicht den Erwartungen entspricht, dieser Bammel war völlig unbegründet. Wir bekamen einen schönen Bungalow, etwas abseits vom Trubel, aber nicht zu weit weg, direkt neben einem Spielplatz. Eine eigene kleine Hütte mit Küche, Kühlschrank, Herdplatte, Toaster, Kaffeemaschine, alles da. Groß genug, dass vier Leute sich nicht ständig auf den Füßen stehen.
Der See selbst ist hier flach und an manchen Stellen ordentlich steinig; Badeschuhe sind kein Luxus, sondern eine gute Idee, gerade für Kinderfüße. Dafür ist das Wasser angenehm warm, und ein Stück vor dem Ufer liegt eine schwimmende Plastikinsel, zu der man gemütlich hinausschwimmen kann. Einer meiner schönsten Momente der Woche war genau das: allein hinaus zur Insel und zurück, der Rest der Familie schon auf dem Weg zum Bungalow. Dazu ein Schwimmbad mit einem wärmeren Becken samt Massagedüsen, eine Kinderdisco in der Lobby, alkoholfreie Cocktails für den Großen, Windsurf-Stunden direkt am Strand. Für Familien ist das rundum durchdacht.
Essen und Wein
Das Essen war ein echtes Highlight, und das sage ich nicht so dahin. Das Frühstücksbüfett war jeden Morgen riesig, von Eierspeisen über Speck und jede Menge frisches Gemüse bis zu Pancakes mit Karamellsoße. Abends dann eine große Auswahl an Vorspeisen, Salaten, Hauptgängen und Desserts: Hirschgulasch für mich, reichlich Vegetarisches für Svenja, Schnitzel mit Pommes für die Kinder. Niemand ging hungrig ins Bett.
Den Wein kann ich selbst nicht beurteilen, ich trinke keinen Alkohol, aber Svenja war angetan, und sie lobt nicht leichtfertig. Die Getränke muss man zwar extra zahlen, aber bei rund zehn Euro für die ganze Familie pro Abend kann man wirklich nicht meckern.
Was es kostet (und was mich überrascht hat)
Unterm Strich war der Urlaub deutlich günstiger als vergleichbare Wochen in Kroatien oder Italien. Genau das hatte ich gehofft, und es hat sich bestätigt.
Eine Sache hat mich allerdings ehrlich überrascht, fast schon schockiert: Die Lebensmittel im Supermarkt, wir waren im Tesco in der nächsten Ortschaft, waren nur geringfügig oder gar nicht billiger als in Deutschland. Das hatte ich anders im Kopf. Ungarn ist offenbar längst nicht mehr das günstige Pflaster, das man aus Erzählungen kennt; bei den Grundnahrungsmitteln zumindest hat sich das Preisgefälle weitgehend eingeebnet. Wo der Urlaub günstig bleibt, ist bei Unterkunft, Restaurant und Aktivitäten, nicht im Einkaufswagen. (Den hatte ich übrigens am ersten Tag gar nicht, weil meine Münze nicht ins Schloss passte. Man lernt dazu.)
Kleiner praktischer Hinweis am Rande: Beim Geldabheben hilft es, vorher kurz nachzurechnen. 50.000 Forint klingen nach einem Vermögen, sind aber ungefähr 150 Euro.
Die Menschen und ein bisschen Ungarisch
Was den Urlaub über das Logistische hinaus getragen hat, waren die Menschen. Durchweg freundlich und hilfsbereit, an der Rezeption, im Restaurant, überall. Besonders dann, wenn man das Gespräch mit ein paar Brocken Ungarisch eröffnet. Schon ein einfaches „Beszél németül?", also „Sprechen Sie Deutsch?", öffnet Türen. Es geht dabei gar nicht darum, die Sprache zu können. Es ist die kleine Geste, sich nicht selbstverständlich darauf zu verlassen, dass der andere sich anpasst. Die wurde jedes Mal mit einem Lächeln quittiert.
Das galt sogar in der angespanntesten Situation der Woche, der nächtlichen Fahrt ins Krankenhaus nach Veszprém. Trotz Sprachbarriere, trotz Sorge: Man hat uns geholfen, freundlich und unkompliziert.
Was übrig bleibt für das nächste Mal
Die Dinge, auf die ich mich gefreut hab: Wandern durch den Lavendel, eine Radtour oder einfach Relaxen am See. Das hat leider nicht geklappt, aber das ist ein guter Grund, einfach nochmal hinzufahren.


